SPD-Bundesvorsitzende Saskia Esken diskutierte über Fachkräftesicherung in Braunschweig

Von links: Detlef Bade, Julia Retzlaff, Christoph Meinecke, Dr. Thorsten Kornblum, Saskia Esken, Christoph Bratmann und Garnet Alps.

 

Esken: „Suche nach Fachkräften stellt zunehmende Herausforderung dar – Unternehmen, Gewerkschaften und Politik müssen gemeinsam entgegenwirken“

 

Die SPD-Bundesvorsitzende Saskia Esken MdB hat am heutigen Abend in der Kantine „Alte Schmiede“, ehemals BMA-Kantine, auf Initiative des wirtschaftspolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion Christoph Bratmann mit hochkarätigen Gästen das Thema Fachkräftesicherung und -gewinnung in der Region diskutiert. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil musste leider kurzfristig wegen Ressortabstimmungen in Berlin absagen. Daneben waren Detlef Bade, Präsident der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, Christoph Meinecke, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen e.V. und Garnet Alps, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Braunschweig, zum Gespräch geladen. Durch den Abend führte Julia Retzlaff, SPD-Landtagskandidatin für den Wahlkreis Braunschweig Nord/Ost.

 

Eingangs skizzierten Bratmann und Esken die Aktivitäten der Bundes- und Landesregierung zur Fachkräftesicherung und -gewinnung. Aus kommunalpolitischer Perspektive beleuchtete Dr. Thorsten Kornblum die Situation. Es folgten kurze Statements der Vertreterinnen und Vertreter von Handwerk, Gewerkschaft und Unternehmen. Bereits hier wurde deutlich, wie sehr insbesondere kleine und mittelständische Betriebe in der Region Braunschweig mit der wachsenden Knappheit an gut ausgebildeten Fachkräften zu kämpfen haben. Insbesondere die Konkurrenz zu größeren Industrieunternehmen in der Umgebung spiele hier eine große Rolle.

 

Meinecke betonte vor diesem Hintergrund die Notwendigkeit, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen. Ohne sie sei der Personalbedarf von Unternehmen langfristig nicht zu decken. Auch Esken sah dies als tragende Säule im Kampf gegen den Fachkräfterückgang: „Wir sind angewiesen auf eine gezielte Einwanderungsstrategie, um den Betrieben das nötige Know-how bereitzustellen. Im Umkehrschluss können wir es Menschen damit ermöglichen, sich in Deutschland eine Existenz aufzubauen.“ Esken sprach sich daher für ein modernisiertes Zuwanderungsgesetz aus: „Mit einem modernen Einwanderungsrecht sorgen wir unter anderem dafür, dass mehr Fachkräfte aus dem Ausland zu uns kommen.“

 

Für Bade war vor allem ein wichtiger Baustein zur Fachkräftegewinnung, mehr junge Menschen vor ihrem Start ins Berufsleben für eine Ausbildung im Handwerk zu begeistern, um den übermäßigen Wettbewerbsdruck für kleinere Firmen zu senken. Die Handwerkskammer biete deshalb Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler entweder durch Praxiserprobung in ihren Technologiezentren oder in Form von Berufsberatung im Unterricht an. Bratmann, der vor seiner Arbeit im Landtag als Berufsschullehrer tätig war, begrüßte diese Initiative: „Aktuell strömen viele junge Erwachsene nach ihrem Schulabschluss an die Universitäten. Dieser Hunger nach Bildung ist eine großartige Sache. Dennoch müssen wir vor allem auch den Abiturientinnen und Abiturienten zeigen, dass sie sich auch durch eine duale Berufsausbildung ein interessantes Berufsleben und eine wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft aufbauen können. Darüber hinaus müssen wir leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler an eine Berufsausbildung heranführen und sie beim Berufseinstieg unterstützen.“

 

„Mindestens ebenso wichtig ist es aber auch, Frauen in der Arbeitswelt zu stärken“, fand die SPD-Bundesvorsitzende, die selbst ausgebildete Informatikerin ist. „Nicht nur muss die Erwerbsquote von Frauen generell erhöht werden, die immer noch geringer ausfällt als die der Männer, sondern wir müssen weiterhin daran arbeiten, den Anteil von Frauen in MINT-Berufen zu steigern.“ Noch immer sei der Anteil von weiblichen Fachkräften in vielen industriellen Branchen zu gering. „Wenn es uns gelänge, fortwährend mehr Frauen für männlich dominierte Berufe wie IT- oder Ingenieursjobs zu begeistern, wäre schon ein großer Schritt im Kampf gegen den Fachkräftemangel getan.“ Esken schlug damit einen ähnlichen Ton an wie Alps, die als Gewerkschafterin bei der IG Metall den Mangel an Frauen in der Industrie beklagt hatte.

 

Einigkeit erzielten die Podiumsteilnehmerinnen und -teilnehmer darin, dass die Herausforderung der Fachkräftegewinnung nur gemeinschaftlich zu lösen sei. Akteurinnen und Akteure aus der Wirtschaft, Bildungseinrichtungen, Gewerkschaften und die Politik müssten weiterhin gemeinsame Strategien entwickeln, um den Personalbedarf der Unternehmen nachhaltig zu decken.

 

Braunschweig, 09.09.2022                            Verantwortlich: Sabine Reinecke