Die Hungerdemonstrationen von 1947 – Der SPD-Bezirk geht auf eine virtuelle Zeitreise

Viel ist über die Zeit während des zweiten Weltkrieges geschrieben, ebenso viel danach über das Wirtschaftswunder in der Bundesrepublik Deutschland. Oft vergessen werden dagegen die Jahre dazwischen: Die Zeiten des Neuaufbaus und die harten Zeiten des Hungers, des kalten Winters von 1947. Grund genug für Ruth Schröder, die derzeit ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im SPD-Bezirk Braunschweig absolviert, einen ganz besonderen Blick auf dieses Stück deutscher Geschichte zu werfen.

Mit einigen Fotos und einem virtuellen Rundgang durch das Nachkriegs-Braunschweig nahm Schröder die Teilnehmer einer Geschichts-Veranstaltung am Donnerstag, 3. August im Volksfreundhaus auf eine Reise in das Jahr 1947. Insbesondere die Braunschweiger Innenstadt war damals weitgehend zerstört, die Infrastruktur und die Ernährungslage schlecht.

 

„Alles drehte sich damals um das ‚Kompensieren’“, erläuterte der heute 95-jährige Zeitzeuge Hermann Diers dazu. Kompensieren, das hieß das Tauschen von Waren auf dem Schwarzmarkt: Kohle gegen Steine, Fleisch gegen Wertmarken. „Von allem gab es zu wenig. Und dann kam noch der Winter 1947: Die Temperaturen fielen auf fast Minus 20 Grad, die Menschen kämpften ums Überleben.“

Schnell wurden daher auch die Rufe nach Ungerechtigkeiten laut, in Braunschweig entluden sie sich in gewaltsamen Demonstrationen am 1. April 1947: „Über 30.000 Menschen hatten sich auf dem Platz vor dem Rathaus eingefunden, einige von ihnen randalieren danach noch in der Stadt und zeigten so ihre Frustration“, erläuterte Schröder und veranschaulichte die Route der Demonstranten eindrucksvoll mit Fotos von früher und heute.
Birgit Schollmeyer, Geschäftsführerin der Buchhandlung Bücherwurm, untermalte dies mit einigen Passagen aus dem Buch „Hungerwinter“ von Alexander Häusser und Gordian Maugg: „Niemand von uns, die nach dem Krieg geboren sind, kennt das echte Gefühl von Hunger.

Es ist unser Auftrag, mehr über diese Zeit zu erfahren und damit gleichzeitig zu mahnen, was für schlimme Folgen Krieg und Vertreibung besitzen.“ Ein Appell, dem sich die Teilnehmer bei der abschließenden Diskussion anschlossen.