ASF-Diskussionsveranstaltung: „Gläserne Decke in der Medizin und im Pflegebereich?“

Die Frage nach Arbeitsbedingungen von Frauen im medizinischen Fachbereich und gendergerechte Gesundheitsvorsorge und –versorgung stellte die niedersächsische ASF bei ihrer jüngsten Diskussionsveranstaltung.

Podium mit Ministerin Cornelia Rundt, SPD Landtagsabgeordnete Dr. med. Thela Wernstedt, Annegret Ihbe und Afra Gamoori

Es gibt viele Krankheiten, an denen sowohl Frauen als auch Männer gleichermaßen leiden. Es treten jedoch einige gesundheitliche Besonderheiten ausschließlich bei Männern , und andere ausschließlich bei Frauen auf. Es werden zum Beispiel Herzinfarkt oder Magersucht lange als typisch männliche bzw. weibliche Krankheiten betrachtet.

Die ASF stellt auch  Fragen von betroffenen Frauen  nach den Arbeitsbedingungen für Frauen im medizinischen Bereich: Wie sieht es aus mit Ausbildungsgängen und Aufstiegsmöglichkeiten für Pflegepersonal und Ärztinnen in dem von Frauen dominierten Arbeitsbereich.

Zu diese beiden komplexen Themenbereichen hatte die Niedersächsische Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen, ASF, zu einer Podiumsdiskussion mit der Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung  Cornelia Rundt, die SPD-Landtagsabgeordnete Dr. med. Thela Wernstedt  und Fachfrauen aus der Gesundheitswirtschaft ,Medizinerinnen ,Fachpflegepersonal und die Gleichstellungsbeauftragte ins Klinikums Siloah –Oststadt-Heidehaus, Hannover  eingeladen.
Die ASF-Landesvorsitzende Annegret Ihbe und Afra Gamoori, ASF-Landesvorstand konnten viele fachkundige Teilnehmerinnen ,sowie Interessierte, Krankenschwestern, Pflegerinnen und Ärztinnen begrüßen.

Zu Beginn stellte Frau Dr. med. Rambow-Bertram, Unternehmensentwicklung KRH fest, dass Gesundheitseinrichtungen weiblich dominiert seien. „Wir sind ein weiblich dominierter Betrieb unter männlich geführter Leitung“, ergänzte Irla Gonzales, Gleichstellungsbeauftragte, „mit einer Unterrepräsentanz der Frauen in Führungsebenen..“ Die sogenannte „gläserne Decke“ konnte auch Dr. med. Thela Wernstedt aus eigenen Erfahrungen bestätigen. „Ständige Verfügbarkeit und Präsenz, sowie bestimmte Erwartungen an Verhaltensweisen verwehren Frauen den Zugang in die Führungsebenen,“  so Wernstedt. Der Anteil  leitender Oberärztinnen liegt im Bundesdurchschnitt unter 10%“, ergänzte sie.

Ministerin Cornelia Rundt gab eine Übersicht über die Situation im medizinischen Fachbereich und stellte heraus,dass es bei Ärztinnen zu 86 % einen Kinderwunsch gebe, aber 79% dieser Gruppe die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für schwierig hielten. Sie verwies darauf, dass veränderte Bedingungen zu schaffen sind, um Familie und Beruf zu vereinbaren.

Zur Sicherung einer flächendeckenden, leistungsfähigen medizinischen Versorgung werde entsprechend  dem Koalitionsvertrag  an einem  Landesprogramm für geschlechtersensible Gesundheitsversorgung und Prävention gearbeitet, das dem unterschiedlichen Zugang von Frauen und Männern zu diesen Leistungen gerecht wird.Dabei ist eine Blickweise erforderlich, die die gesundheitlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern angemessen in der Diagnose und Therapie berücksichtigt, betonte Rundt.

Erkenntnis aus der jahrelangen Forschung zu gendermedizinischen Aspekten stellte Frau PD Dr. med. Andrea Riphaus, Agnes Karll Klinik Laatzen dar. Bekannt sind unterschiedliche Symptome bei Männern und Frauen bei einem Herzinfarkt. “Eine gezieltere Diagnostik  und individuelle medikamentöse Einstellung der Patientinnen und Patienten muss umgesetzt werden.“ Zur Umsetzung der Erkenntnisse sind Leitlinien für die Arbeit im Gesundheitswesen erforderlich , veränderte medizinische Curricula  und weiterhin themensensibilisierende Veranstaltung, stellten die Diskussionsteilnehmerinnen fest.

Für die Landes-ASF  fassten Annegret Ihbe und Afra Gamoori zusammen,  dass die neuesten Forschungserkenntnisse in der medizinischen Praxis und in den Kliniken realisiert werden müssen: Die Arbeitsbedingungen müssen verbessert werden mit entsprechenden Tarifverträgen. Betreuungsmöglichkeiten müssen den Arbeitszeiten angepasst werden. Das Bewusstsein für diese Situation muss geschärft werden. Der Genderaspekt muss bundesweit in die medizinischen Curricular aufgenommen werden. Es müssen Leitlinien für die Arbeit im Gesundheitswesen geben.

 „Gesundheit ist ein Thema , das uns alle betrifft. Umso wichtiger ist die Gewährleistung einer guten medizinischen Versorgung, die gut ausgebildete und engagierte Fachkräfte verlangt“, betonte Afra Gamoori, ASF.

Annegret Ihbe
Sprecherin des ASF-Landesausschusses