Regionaler Energiegipfel: Die Zukunft der Stromversorgung in unserer Region

Zum regionalen Energiegipfel lud der SPD-Bezirksvorsitzende Hubertus Heil, MdB, die Energieversorger und –produzenten, sowie Lokalpolitiker zu einem Expertengespräch nach Wolfsburg ein. Als fachkundige Referenten konnten der Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur (dena), Stephan Kohler, und der stellvertretende Verbandsdirektor des Zweckverbands Großraum Braunschweig (ZGB), Jens Palandt gewonnen werden.

Stephan Kohler beim Energiegipfel 2011
Jens Palandt auf dem Energiegipfel 2011

Die Diskussion um die Energieversorgung in Deutschland läuft spätestens seit den Atomunfällen in Fukushima auf vollen Touren. Der Ausstieg aus der Kernenergie steht erneut auf der Tagesordnung. Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten wollen eine Energieversorgung ohne Atomkraft, die den Ansprüchen des Umweltschutzes, der Versorgungssicherheit und der Bezahlbarkeit für Verbraucher und Wirtschaft gerecht wird, betonte Heil. Wir brauchen eine Modernisierung des Kraftwerksparks, mehr Energieeffizienz und den konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien. Dazu zählt auch der Ausbau der Energienetze. Um diese ehrgeizigen Vorhaben zu realisieren, brauchen wir einen neuen Energiekonsens der Rechts-, Planungs- und Investitionssicherheit schafft.

Kohler skizzierte die Entwicklung des Energiemarktes in Deutschland und weltweit. Dabei machte er deutlich, dass vor allem in der Energieeffizienz das größte Potenzial liege, um Energie zu sparen, den CO2-Ausstoss zu reduzieren und Ressourcen zu schonen.
Der konsequente Ausbau der erneuerbaren Energien sei richtig, betonte Kohler, man müsse dabei aber auch beachten, dass Wind und Sonne eine fluktuierende Leistung erbringen. Aus diesem Grund können konventionelle Kraftwerke auch langfristig nicht ersetzt werden. „Zu Spitzenlast-Zeiten der Industrie ist nicht gewährleistet, dass die Sonne scheint und der Wind kräftig bläst. Zudem benötige ein Stahlwerk ganz andere Strommengen als private Haushalte“, erklärte Kohler. Nötig seien hierbei auch die Weiterentwicklung von effizienten Energiespeichern sowie der Ausbau der Energienetze für den Transport in die Verbrauchs-Regionen. Sein Fazit: Die Energieeffizienz müsse konsequent gesteigert, erneuerbare Energien müssen sinnvoll integriert und es müsse eine vernünftige Kombination von zentraler und dezentraler Erzeugung geben.
 

Palandt erläuterte das regionale Energiekonzept für den Großraum Braunschweig. Er betonte dabei, dass die Metropolregionen Hannover, Braunschweig, Göttingen, Wolfsburg dafür ausgesprochen haben, bis zum Jahr 2100 den kompletten Stromverbrauch aus erneuerbaren Energien zu erzielen. Der ZGB setze dabei auf den konsequenten Ausbau der Windenergie und der Photovoltaik. „Die Kosten für den Umstieg auf eine regenerative Energieerzeugung sind geringer als die Kostensteigerung bei den fossilen Energieträgern“, betonte Palandt. Sein Fazit lautet: Durch einen konsequenten Ausbau der Windenergie in der Region Braunschweig, könne der gesamte Stromverbrauch der privaten Haushalte gewährleistet werden. Allerdings müsse auch die Energieeffizienz gesteigert werden und die lokalen Energienetze bedürfen eines dringenden Ausbaus.

Die regionalen Energieversorger mahnten zur Besonnenheit und zum Umbau des Energiemarktes mit Augenmaß. Wenn nur auf Wind und Sonne gesetzt werde, dann müssten intelligente Lösungen für wind- und sonnenarme Zeiten gefunden werden. Diese gebe es derzeit noch nicht in ausreichendem Maße.
Der Vorstandsvorsitzende von BS Energy, Francis Kleitz, betonte, dass es große Potenziale bei der Kraft-Wärme-Koppelung (KWK) gebe und diese Methode nicht mit der Ausgabe von CO2-Zertifikaten belastet werden dürfe. BS Energy habe gerade ein modernes Gas- und Dampf-Kraftwerk in Betrieb genommen. „Dieser Form der Energieerzeugung gehöre neben den erneuerbaren Energien die Zukunft“, so Kleitz.
Immo Schlepper von der Gewerkschaft Ver.di erklärte, man dürfe die Industriearbeitsplätze nicht außer Acht lassen. Der Industriestandort Deutschland sei gefährdet, wenn bis zum Jahr 2050 rund 50 Prozent der Energie eingespart werden müssten. Auch Schlepper betonte das KWK ein Zukunftsmodell zu den erneuerbaren Energien sei.
 

Abschließend versuchte Heil gemeinsame Ziele zu formulieren. Dabei stellte er fest, dass es keine Akzeptanz mehr für Atomkraft in Deutschland gebe. Er forderte die erneuerbaren Energien vor allem die Windenergie weiter auszubauen ohne allerdings dabei die konventionellen Methoden wie Gas- und Dampf-Kraftwerke und Kohlekraftwerke zu vernachlässigen. „Strom muss in Deutschland produziert werden. Wir dürfen nicht zu einem Importland bei der Stromerzeugung werden“, so Heil. Zudem forderte auch der SPD-Politiker einen Ausbau der Netze um beispielsweise den erzeugten Strom bei Off-Shore-Windanlagen in die Regionen zu bringen, in denen der Strom auch verbraucht werde. Heil forderte größtmögliche Transparenz bei Forschung, Erzeugung und Ausbau auf dem Energiemarkt. „Bei all unseren Handlungen müssen wir die Folgen für Wohlstand, Lebensqualität und Arbeitsplätze bedenken“, betonte Heil.

Zu einem zweiten regionalen Energiegipfel werde im Herbst 2011 eingeladen.